Mitten im Stationsalltag
Unterwegs mit Clemens Reiche im Frühdienst auf der Akutgeriatrie
Pflegefachmann Clemens Reiche nimmt Sie mit in seinen Frühdienst auf der Station für Akutgeriatrie und Frührehabilitation an unserer Klinik in Naila. Er zeigt, wie vielseitig Pflege ist und wie viel Organisation, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit hinter jedem Arbeitstag steckt.
Die Station verfügt über 28 Betten. Neben der pflegerischen und medizinischen Versorgung erhalten die Patienten je nach Bedarf verschiedene Therapien, mit dem Ziel, ihre Selbstständigkeit zu fördern und sie bestmöglich auf den Alltag vorzubereiten.
04:30 – 05:45 Uhr Der Tag beginnt früh
Mein Tag startet um 4:30 Uhr. Aufstehen, fertig machen, losfahren. Die Fahrt in die Klinik Naila dauert etwa 30 Minuten, so bin ich gegen 5:45 Uhr da.
05:45 – 06:30 Uhr Umziehen und Übergabe
Nach dem Umziehen geht es direkt auf Station. Um 6:00 Uhr beginnt die Übergabe. Sie dauert rund 30 Minuten. Hier erfahren wir alles Wichtige aus der Nacht: Veränderungen im Zustand der Patienten, besondere Vorkommnisse oder Aufgaben, die im Frühdienst weitergeführt werden müssen. Wenn die Übergabe beendet ist, verabschiedet sich der Nachtdienst. Für mich ist dann auch kurz Zeit, anzukommen – meist mit einem Schluck Kaffee, denn damit starte ich einfach am besten in den Tag.
06:30 – 08:00 Uhr Pflege, Medikamente, Vitalwerte
Im Frühdienst teilen wir uns in zwei Bereiche auf, damit alle Patienten zuverlässig versorgt werden können. Ich starte meine Runde oft am Ende des Flurs und arbeite mich Zimmer für Zimmer vor. Als erstes statte ich den Pflegewagen mit den vorbereiteten Morgentabletten aus. Danach beginnt der erste große Durchgang. Die Patienten erhalten Unterstützung bei der Körperpflege und werden in Alltagskleidung angezogen. Das ist besonders wichtig, da ab etwa 9 Uhr die Therapien starten. Zudem werden die Medikamente verabreicht und Vitalwerte gemessen. Durch das direkte Eintragen der Werte in die digitale Patientenkurve hat das ärztliche Team jederzeit einen aktuellen Überblick. Ein Duschangebot ist ebenfalls Teil unseres Pflegealltags. Wenn Patienten es wünschen, ermöglichen wir dies mindestens einmal pro Woche.
08:00 – 09:00 Uhr Frühbesprechung und Dokumentation
Um 8:00 Uhr findet die Frühbesprechung statt, bei der Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten und unser Sozialdienst zusammenkommen. Hier wird besprochen, was aktuell ansteht, ob es neue Ziele gibt oder ob zusätzliche Unterstützung für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt organisiert werden muss. Je nach Situation auf Station kann es auch vorkommen, dass ich zuerst beim Frühstück unterstütze und anschließend zur Besprechung dazukomme. Danach beginnen wir mit der Dokumentation aller Tätigkeiten, die bereits erledigt wurden. Währenddessen achte ich bewusst auch auf meinen eigenen Flüssigkeitshaushalt. Genug zu trinken ist im Arbeitsalltag wichtig und ich versuche, über den Vormittag verteilt auf etwa 1,5 Liter zu kommen.
09:00 – 10:00 Uhr Tabletts einsammeln und kurze Pause
Gegen 9:00 Uhr sammeln wir das Frühstück wieder ein. Wenn es die Situation zulässt, machen wir anschließend eine Pause, um kurz Kraft zu sammeln. Gleichzeitig bleiben wir natürlich ansprechbar, falls Patienten Hilfe benötigen. Gerade nach dem Frühstück möchten viele zurück ins Bett, obwohl kurz danach Therapien stattfinden. Dann ist es unsere Aufgabe, geduldig zu sein, zu motivieren und den Ablauf zu koordinieren.
10:00 – 11:30 Uhr Verbände, Aufgaben, Gespräche
Nach der Pause folgt die nächste Runde: Jetzt kümmern wir uns u. a. um Verbandswechsel, weitere pflegerische Maßnahmen, bei Bedarf auch um Abführmaßnahmen, zusätzliche Duschangebote sowie um anstehende Dokumentationsaufgaben. Ein wichtiger Teil ist auch das Gespräch: Viele Patienten haben Fragen, Sorgen oder einfach das Bedürfnis nach Austausch. Gerade auf der Geriatrie spielt persönliche Zuwendung eine große Rolle. Oft hilft schon ein ruhiges Gespräch, um Sicherheit zu geben.
11:30 – 12:30 Uhr Mittagessen und Mobilisation
Um 11:30 Uhr wird das Mittagessen verteilt. Dafür werden einige Patienten erneut mobilisiert, also zum Essen aus dem Bett geholt oder passend positioniert. Viele können nicht den ganzen Vormittag sitzen bleiben, z. B. aufgrund von Schmerzen oder Erschöpfung. Hier ist es wichtig, individuell zu unterstützen und gleichzeitig die Selbstständigkeit zu fördern.
12:30 – 13:00 Uhr Letzte Runde vor der Übergabe
Nach dem Einsammeln des Mittagessens folgt der letzte Durchgang: Wir fragen nach Bedürfnissen, helfen beim Zurück-ins-Bett-Gehen und achten darauf, dass die Patienten gut versorgt und bequem positioniert sind.
13:00 – 14:00 Uhr Übergabe und Feierabend
Um 13:00 Uhr beginnt die Übergabe an den Spätdienst. Sie dauert ca. 30 Minuten. Danach ist der Frühdienst abgeschlossen und ich starte um 14:00 Uhr in den Feierabend.
Autor

Clemens Reiche
Pflegefachmann


