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Tabuthema Inkontinenz

Formen, Schweregrade und hilfreiche Tipps

Inkontinenz verursacht oft Schamgefühle, weshalb nur ungern darüber gesprochen wird. Dabei handelt es sich nicht um ein Einzelschicksal: Allein in Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen. Mittlerweile gibt es sehr effektive Behandlungsmöglichkeiten, mit denen sich die Beschwerden oft erheblich lindern oder sogar vollständig beheben lassen. Unsere Kontinenzberaterinnen klären auf und geben hilfreiche Tipps.

Was bedeutet Inkontinenz?

Unter Inkontinenz versteht man die fehlende oder eingeschränkte Fähigkeit des Körpers, Blasen- und / oder Darminhalt sicher zu speichern und den Zeitpunkt oder Ort der Ausscheidung selbst zu bestimmen. Die Folgen sind unwillkürlicher Urin- oder Stuhlabgang.

Urininkontinenz: Formen und Ursachen

  • Stress- / Belastungsinkontinenz: Unfreiwilliger Urinverlust, der mit körperlicher Belastung einhergeht:
    • Grad 1: Durch Niesen, Lachen und / oder Husten
    • Grad 2: Beim Gehen oder Aufstehen
    • Grad 3: Im Liegen
  • Dranginkontinenz: Unfreiwilliger Urinverlust, der mit plötzlich auftretendem, nur schwer unterdrückbarem Harndrang einhergeht oder diesem unmittelbar vorausgeht. Auslöser können Erkrankungen des Nervensystems z.B. Demenz, Parkinson, MS, Schlaganfall oder Harnwegsinfekte sein.
  • Überlaufinkontinenz: Unvollständige Blasenentleerung (Restharnbildung) mit und ohne freiwilligen Urinverlust. Es liegt eine Entleerungsstörung vor. Ursache kann z.B. eine Prostatavergrößerung sein.
  • Mischinkontinenz: Unfreiwilliger Urinverlust, der sowohl im Zusammenhang mit Harndrang als auch mit körperlicher Belastung auftritt.
  • Unkategorisierbare Inkontinenz: Beobachtbarer unfreiwilliger Urinverlust, der auf Basis von Symptomen oder Befunden nicht eindeutig zuzuordnen ist.

Stuhlinkontinenz: Schweregrade und Ursachen

  • Grad 1: gelegentliches Stuhlschmieren oder Abgang von Darmgasen
  • Grad 2: Unfähigkeit, flüssigen Stuhl willentlich zurückzuhalten
  • Grad 3: Unfähigkeit, festen Stuhl willentlich zurückzuhalten

Stuhlinkontinenz kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Dazu zählen Durchfall (Diarrhö) oder Verstopfung (Obstipation), aber auch ein Speicherverlust des Enddarms. Zudem können psychoorganische Störungen eine Rolle spielen, also neurologische / psychische Beeinträchtigungen, die die Wahrnehmung und Steuerung des Stuhls beeinflussen. Schäden am Schließmuskelapparat, z.B. nach Geburtsverletzungen sowie neurogene Erkrankungen wie Multiple Sklerose können ursächlich sein.

Tipps und Therapien

Um den Alltag bei Inkontinenz zu erleichtern und die Beschwerden zu reduzieren, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßige Toilettengänge: Planen Sie Toilettenbesuche, z.B. alle drei Stunden, um Blase und Darm zu trainieren.
  • Tagebuch führen: Notieren Sie Urin- und Stuhlausscheidungen, um Muster zu erkennen und besser kontrollieren zu können.
  • Inkontinenzprodukte wechseln: Tauschen Sie diese mehrmals täglich und immer nach jeder Stuhlauscheidung aus.
  • Hautpflege nach Ausscheidungen: Reinigen Sie die Haut mit weichen, hautschonenden Feuchtoder Öltüchern. Häufiger Kontakt mit Seife und Wasser kann die Haut reizen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie täglich etwa ein bis zwei Liter, um den Flüssigkeitshaushalt zu unterstützen.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost, um die Verdauung zu fördern.
  • Beckenbodentraining: Stärken Sie die Beckenboden- und Schließmuskulatur. Lassen Sie sich idealerweise von einem Physiotherapeuten anleiten.
  • Bewegung und Hilfsmittel: Stellen Sie Gehhilfen griffbereit und sorgen Sie für regelmäßige Bewegung.
  • Praktische Kleidung: Wählen Sie Kleidung mit einfachen Verschlüssen wie Klett oder Reißverschluss, um das An- und Ausziehen zu erleichtern.
  • Toilettenhilfen und Beleuchtung: Nutzen Sie ggf. einen Toilettenstuhl bei schwierigen Wegen und sorgen Sie für gute Beleuchtung in der Nacht.

Mögliche Hilfsmittel

Zur Unterstützung stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Dazu gehören mobile Toilettenhilfen wie WC-Stühle, Bettpfannen, Urinflaschen, Haltegriffe und Gehhilfen. Außerdem gibt es aufsaugende Hilfsmittel, bspw. anatomisch geformte Vorlagen mit Netz- oder Fixierhosen, Inkontinenzslips, Tropfenfänger oder Bettschutzeinlagen. Bei Stuhlinkontinenz können spezielle Inkontinenzvorlagen mit integrierten Spezialtaschen eingesetzt werden, die den Stuhl sicher aufnehmen und auch bei Durchfall geeignet sind, wie etwa Analtampons. Darüber hinaus zählen ableitende Hilfsmittel wie Dauerkatheter oder Kondomurinale für Männer zu den verfügbaren Optionen.

Bei diagnostizierter Inkontinenz können bestimmte Hilfsmittel ärztlich verordnet und von der Krankenkasse bezuschusst werden. Apotheken, Physiotherapeuten und Sanitätshäuser beraten Sie gerne und stellen Ihnen die verschiedenen Hilfsmittel vor.

Ärztliche Betreuung

Neben dem Hausarzt sind auch Fachärzte wie Gynäkologen oder Urologen wichtige Ansprechpartner für die Diagnosestellung. Sie können individuelle Behandlungsmöglichkeiten erläutern und stehen Ihnen bei der weiteren Begleitung zur Seite. Auch Pflegedienste oder spezialisierte Inkontinenzberater bieten praktische Unterstützung im Alltag, bspw. bei der Auswahl passender Hilfsmittel. Der Austausch in Selbsthilfegruppen kann zusätzliche Motivation und wertvolle Tipps geben. Das Wissen, nicht allein zu sein, entlastet viele Betroffene spürbar.

Kontinenzförderung an den Kliniken Hochfranken

Bereits bei der Aufnahme wird die individuelle Kontinenzsituation des Patienten erfasst. Bei weiterem Beratungsbedarf stehen Ihnen unsere geschulten Kontinenzberaterinnen zur Seite. In persönlichen Gesprächen unterstützen sie mit fachlicher Kompetenz, Einfühlungsvermögen und großer Diskretion – mit dem Ziel, bei Schwierigkeiten behilflich zu sein und Sicherheit zu geben. 

Lebensqualität erhalten 

Menschen mit Inkontinenz sollten sich aus Scham oder Angst vor peinlichen Situationen nicht zurückziehen, sondern aktiv am Leben teilnehmen. Offener Umgang mit dem Thema, sei es in der Familie, im Freundeskreis oder mit Arbeitskollegen, kann Sicherheit geben und den Alltag deutlich erleichtern.

Autorinnen

Nicole Georgi

Kontinenzberaterin Klinik Naila

Telefon:
09282 60-140

Mandy Kastoris

Kontinenzberaterin Klinik Münchberg

Telefon:
09251 872-274