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Da sein, zuhören, begleiten

Die Klinikseelsorge stellt sich vor

Ob Trost in schwierigen Momenten, ein offenes Ohr in Krisen oder einfach ein Gespräch über das, was bewegt – die Seelsorger an unseren beiden Klinikstandorten sind für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende da. In Münchberg und Naila arbeiten evangelische und katholische Seelsorger in einem lebendigen ökumenischen Miteinander. Im Gespräch erzählen die Teams, was ihre Arbeit ausmacht, wo sie unterstützen können und welche Bedeutung Seelsorge im Klinikalltag hat.

Frau Bernstengel, Frau Meusel – Sie beide vertreten die Seelsorge an unseren Kliniken. Wie sieht Ihr Alltag in der Seelsorge aus?

Johanna Bernstengel: Einen wirklichen Alltag gibt es bei uns nicht. Jeder Tag bringt neue Begegnungen. Manchmal sind es kurze Gespräche auf dem Flur, manchmal lange, intensive Besuche am Bett. Dabei geht es nicht immer ernst zu, es wird auch herzlich gelacht.

Michaela Meusel: Wir begleiten Menschen in sehr unterschiedlichen Situationen – in Momenten der Hoffnung, aber auch in Krisen, Abschied und Trauer. Jedes Gespräch, jede Begegnung ist anders. Ich weiß nie, was mich erwartet, wenn ich am Patientenzimmer klopfe.

Für wen ist die Seelsorge da – nur für gläubige Menschen?

Andreas Hesse: Nein, ganz und gar nicht. Unsere Tür steht allen offen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung. Es geht nicht darum, eine bestimmte Richtung vorzugeben, sondern zuzuhören und da zu sein.

Uli Essler: Wir verstehen uns als Begleiter auf Zeit. Manchmal geht es um Glaubensfragen, oft aber einfach um das Leben, die Sorgen, die Unsicherheiten.

Wie erfahren Sie, wenn jemand seelsorgliche Unterstützung möchte?

Michaela Meusel: Meist spricht uns das Pflegepersonal an oder Angehörige bitten um einen Besuch. Immer wieder bekomme ich auch Hinweise von Nachbarn und Freunden, dass jemand aus der Gemeinde im Krankenhaus ist und einen Besuch wünscht.

Johanna Bernstengel: Oft sind es auch Zufallsbegegnungen, wenn wir über die Stationen gehen. Dort ergibt sich ein Gespräch dann ganz spontan – ein kurzer Gruß, ein Lächeln und plötzlich öffnet sich Raum für etwas Tieferes.

Was bedeutet Seelsorge für Sie persönlich?

Uli Essler: Für mich ist Seelsorge ein Stück gelebte Nächstenliebe. Da sein, wenn Worte fehlen. Menschen das Gefühl geben: Du bist nicht allein.

Andreas Hesse: Ich empfinde es als großes Geschenk, Menschen in existenziellen Momenten begleiten zu dürfen und gemeinsam mit ihnen nach Halt, Hoffnung oder Frieden zu suchen. 

Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Johanna Bernstengel: Es gibt viele, aber besonders bewegend finde ich es, wenn ein Mensch am Ende seines Lebens Frieden findet – vielleicht nach einem langen Gespräch oder einem stillen Gebet.

Michaela Meusel: Für mich sind es oft die kleinen Momente und Begegnungen: ein Blick, ein Händedruck, ein „Danke“. Besonders berührt es mich, wenn ich den Menschen mit einem kleinen Segenskreuz auf der Stirn segnen darf und ich spüre, was dieser Moment bewirkt.

Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Andreas Hesse: Seelsorge ist kein Angebot nur für schwere Zeiten. Sie kann helfen, Gedanken zu sortieren, Mut zu schöpfen oder einfach still zu werden.

Uli Essler: Und wer sich fragt, ob er „zur Seelsorge darf“ – ja, darf er. Wir sind da, wenn das Leben Fragen stellt, auf die es keine schnellen Antworten gibt.